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Fotos: L. Motz, Horstmann + Partner

 

Bauherr:

Stadt Arzberg

 

Typologie:

Veranstaltung / Museum / Sanierung

 

Fertigstellung:

2021

 

BGF:

575 m2

 

BRI:

7.239 m3

Treffpunkt für alle Generationen Sanierung und Ersatzneubau des Bürgerhauses in Arzberg

Auf dem Kirchberg in Arzberg, einer sympathischen Kleinstadt am Rande des Fichtelgebirges, wurde ein städtebauliches Juwel aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Das im Stadtbild weit hin präsente Bürgerhaus bekam nach einer ersten baulichen Verkleinerung auf seine ursprüngliche Form eine Kernsanierung, einen markanten Ersatzneubau, sowie neu gestaltete Außenanlagen.

Gemeinsam mit der Stadt Arzberg, der Regierung von Oberfranken wurde ein Konzept erarbeitet, um einen innerstädtischen Ort zur Begegnung, Interaktion und als Heimat für Vereine zu schaffen. Die Errichtung von sozialer Infrastruktur, als auch die Beseitigung innerstädtischer Leerstände durch eine Reduktion der Nutzfläche, bei gleichzeitigem Erhalt der historischen Bausubstanz, war das Ziel. Eine umfassende Ertüchtigung der Barrierefreiheit, des Brandschutzes und der Energieeffizienz war oberste Prämisse, um den baulichen Erhalt zu sichern und das Gebäude fit für die Zukunft zu machen.

Der ab Sommer 2019 vollzogene erste Bauabschnitt mit dem Teilabbruch von ca. 2.800 m², ermöglichte die Wiederfreistellung des ursprünglichen symmetrisch angelegten Gebäudeteils, der mittlerweile aber 3-geschossig war. Eine Neuordnung der Nutzungen sah die Vereinsräume im neu sanierten Bestandsgebäude vor. Hier sollten die Musikschule, der Jugendtreff, die Garten- und Blumenfreunde und die Soldatenkameradschaft Röthenbach nach der Sanierung ihren Platz finden. Das Erdgeschoss wurde als flexibel bespielbare Fläche konzipiert, mit neuem Generationen-Café für kleine Feierlichkeiten, die Zusammenkunft des Seniorentreffs oder zur Bewirtung bei Ausstellungen.

Hier wurde auch der ehemalige Hauptzugang zum Gebäude wieder hergestellt, der jetzt das Erdgeschoss über eine neue Treppe direkt mit dem Park verbindet. Die Sandauer Heimatstube, im ersten Obergeschoss, ist nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese besteht aus einer Sammlung, die sowohl an die Geschichte des Gebäudes erinnert, als auch an die frühere sudetendeutsche Stadt Sandau. Die von 2020-2021 dauernde Kernsanierung sah die Ertüchtigung der bestehenden Holzbalkendecken vor. Hier kam ein System aus Schwalbenschwanzplatten auf verstärkten Holzbalken zum Einsatz. Das Dach wurde neu gedeckt, sämtliche Technik und Wärmeversorgung neu installiert und auch der Innenputz wurde im gesamten Gebäude abgetragen und neu aufgebracht. Vor allem aber wurde der Brandschutz den aktuellen Anforderungen angepasst und eine Fluchttreppe ergänzt, ein Aufzug zur barrierefreien Erschließung aller Bereiche neu eingebaut und die Gebäudehülle energetisch saniert. Neben neuen Aluminium-Fenstern kam hier eine innovative hochleistungsfähige Spritzdämmung zum Einsatz. Die Oberflächengestaltung der hellgrauen Putzfassade wurde mit Besenstrich ausgeführt, einer traditionellen Putztechnik.
Auf der frei gewordenen Grundstücksfläche errichtete die Stadt zeitgleich einen freistehenden, eingeschossigen, ca. 240 m² umfassenden Ersatzneubau, der eine städtebauliche Neuordnung des Areals ermöglichte. Man entschied sich für eine besondere Fassade, damit der verhältnismäßig kleine Neubau neben dem großen Bestandsgebäude bestehen konnte. Eine individuell angefertigte, rot glasierte Keramikfassade aus stranggepressten Profilen war die Wahl. Diese nachhaltige, hinterlüftete Fassade ist eine Reminiszenz an die Porzellan-Geschichte der Stadt Arzberg. Unter dem begrünten Flachdach des Neubaus entstand ein Multifunktionsraum mit Bühne für Veranstaltungen und Feiern. Dank der Unterstützung des Bayerischen Städtebauförderungsprogramms mit 90 % der förderfähigen Kosten konnte das 4,5 Mio. Euro Projekt umgesetzt werden.